Zurück in Griechenland

Juni 6, 2018 | Filed Under Segeln 2009 | No Comments

Montag sechs Uhr früh, die Sonne ist gerade aufgegangen, ich hole nochmals über Zygrib den Wetterbericht ein. Es könnte klappen, heute sind die besten Voraussetzungen für den Aufbruch in der ganzen Woche. Noch ist es windstill, am frühen Nachmittag soll Südwind bis 15 Knoten einsetzen, der Wind dreht dann über West auf NW, bleibt bei 10 Knoten und sollte bis Montag in der Früh über das ganze ionische Meer wehen. Gestern haben wir bei der verbleibenden Maschine, Ölstand kontrolliert etwas nachgefüllt. Wir fahren bei absoluter Windstille an der Hafeneinfahrt von Roccela Ionica vorbei und weiter die Küste entlang nach Nordosten. Einige Fischerboote schaukeln bereits vor dem Hafen. Bei 2000 Touren machen wir 3,3 – 3,5 Knoten. Bis zur Durchfahrt zwischen den griechischen Inseln Kefallonia und Lefkada sind es 195 Seemeilen, etwa 365 Kilometer. Gegen Mittag kommt leichter Südostwind auf, wir setzten die Segel, reduzieren die Drehzahl auf 1500 Touren, jezt erreichen wir 4-4,5 Knoten, Sabina serviert Spagetti Bologneise mit grünem Salat. Ich hole nochmals die Windvorhersage ein, noch haben wir Handyverbindung mit der im Dunst liegenden Küste. Keine Änderung der Prognose, wir gehen auf Kurs nach Griechenland, jetzt gibt es kein Zurück mehr. Bald können wir den Motor stoppen, der Wind hat auf 8-12 Knoten zugenommen, wir segeln zwischen 4 und 4,5 Knoten. Kurz nach dem Abendessen geht der Wind leider soweit zurück, das wir nur noch knapp 2 Knoten schnell sind, ich nehme wieder den Motor dazu. Sabina geht um 8h schlafen, die Sonne senkt sich langsam zum Horizont. Es wird kühler, ich ziehe mir lange Hose und Pullover an. Langsam erscheinen die Sterne, Finsternis breitet sich aus. Ich lese auf meinem Tolino, alle 10 Minuten ein Rundumblick,dann gehe ich wieder in die Kabine zurück. Die Schiffahrtsroute von der Straße von Messina in die Adria liegt schon lange hinter uns, die ganze Nacht passiert uns kein einziges Schiff. Kurz vor Mitternacht hebt sich blutrot der Mond aus dem Wasser vor Squib, die Milchstraße verblaßt, es wird heller. Kurz nach 2h wecke ich Sabina lege mich müde nieder. Gegen sechs Uhr bin ich wieder wach, Sabina geht nochmalsin die Koje. Der Wind frischt auf, ich stelle die Segel nach, schalte den Motor ab. Die Hälfte der Strecke ist geschafft. Während des Tages dreht der Wind immer mehr auf West, wir bergen das Gr0ßsegel und setzen zur ausgebaumten Genua auf steuerbord fliegend die alte Fock auf der Backbordseite. Mit 4- 5 Knoten geht es so bis zum Abend dahin. Schon am Vortag haben wir die zwei Schleppangeln ausgebracht, leider noch kein einziger Biss, obwohl wir kleine Thunfische sogar nebenher schwimmen sehen.
Leider flaut der Wind abends immer mehr ab, wir bergen die Segel und starten wieder die Maschine. Noch 60 Meilen. Die Wache halten wir wieder wie am Vortag, anfangs schieben noch ein wenig die Wellen vom vergangenen Westwind. Als ich Sabina wecke sind es noch 30 Meilen bis Lefkada. Um sechs Uhr bin ich wieder munter, noch 16 Meilen, die griechischen Inseln sieht man schon deutlich vor uns. Kurz nach 10:30 runden wir den leukadischen Felsen, von dem sich die griechische Dichterin Sappho 70 Meter in die Tiefe gestürzt hat. Punkt 12h, eigentlich 13h griechischer Zeit fällt der Anker in der weiten Bucht von Vasiliki. Wir sind froh wieder in Griechenland zu sein. Wenig später bekomme ich ein Mail von der Aktio Marina, am 21 wird Squib wieder an Land gestellt. Bis dahin werden wir in der Umgebung von Lefkada und Meganisi bleiben.

Wieder in Rocella Ionica

Juni 3, 2018 | Filed Under Segeln 2009 | No Comments

Erste Wasserkräuselungen bilden sich, Squib schwebt regungslos über dem fein gerippten Sandboden im türkisem Wasser. Doch wir wollen weiter, das nächstgelegene Ziel ist Rocella Ionica 21 Seemeilen weiter die Küste hinauf. Kurz nach 10 h ist das erste Windkräuseln in kleine Wellen übergegangen, wir holen den Anker auf. Das Großsegel ist schon gesetzt, langsam nimmt Squib fahrt auf, Sabina zieht den Bergeschlauch in die Höhe unsere Leichtwindgenua entfaltet sich, Rot, Gelb und Blau gestreift hilft sie dem Groß, Fahrt durchs Wasser zu machen, doch bei gerade Mal 6 Knoten Wind schräg von hinten pendelt die Logge nur zwischen 2,2 und 2,5 Knoten, egal wir fahren. Bis drei Uhr nachmittags schaffen wir immerhin 7 Meilen näher zum Ziel, doch dann schläft der Wind komplett ein und wir tümpeln auf bleierner See. Wir starten doch den Motor, mit geringer Drehzahl sind wir bis 18:30 vor der Marina Einfahrt. Für die Nacht ist wenig Wind angesagt, wir ankern neben den zwei vor der Einfahrt liegenden Schiffen. Das Wasserthermometer zeigt 24,4°C an, auch für mich genug um den ersten Sprung heuer ins Meer zu machen. Sabina zaubert Kartoffelpuffer und Salat auf den Abendtisch, die Restdünung schaukelt uns immer wieder mal durch, bevor wir schlafen gehen.
Der Wetterbericht für Sonntag zeigt keine Änderung, Wenig bis kein Wind aus SW bis NW. Wir beschließen bis Montag zu warten, da soll mehr Wind und vor allem aus günstiger Richtung kommen. Am Strand werden Sonnenschirme aufgebaut, die Italiener verbringen den Sonntag am Strand. Immerhin ankern wir so nahe vor der Marina, das ich für Wetter abfragen und Bericht hochladen eine WIFI Verbindung bekomme.
Morgen spätestens Mittag soll uns der Wind Richtung Griechenland auf den Weg bringen.

Der erste Schritt zurück

Juni 2, 2018 | Filed Under Segeln 2009 | No Comments

Freitag morgen, ich gehe ins Marinabüro um zu zahlen. Der Seebrief mit einem handgeschriebenen Zettel mit dem ausverhandelten Preis ist schnell gefunden. Schwieriger ist es die Anzahl der Tage zu berechnen. Vom 26.Mai bis 1.Juni, das sind?, das sind?, das sind 4? Tage. Als das Ergebniss zweimal hintereinander ausgerechnet wird, stimme ich zu und zahle 200€. Denke, das ist genug für dreckige Duschen und nicht funktionierendes Wifi. Wir füllen noch die Wassertanks, Stromkabel verstauen, als wir schon beide Landlleinen los haben, kommt ein neuer Marineiro und will, die fehlenden 100€. Anscheinend konnte der bis 6 zählen. Wir zahlen, das Ablegen gestaltet sich mit einer Maschine extrem schwierig, da der Wind von schräg hinten das Boot in die Marina drückt. Schließlich gehen wir längsseits und drehen den Bug dann von einem benachbarten Boot aus in Fahrtrichtung. Jetzt klappt es, und wir motoren gegen den auffrischenden NW aus dem Hafen.Keine hundert Meter nach der Hafenausfahrt fallen wir nach backbord ab, setzen die Genua und gleich geht es mit 4-5 Knoten nach Süden. Leider schläft nach dem Capo del Armi der Wind komplett ein, wir starten die Maschine und fahren mit 2000 Touren mit 3,5 Knoten nach Osten. Noch 17 Meilen bis zum Kap Spartivento. Nachmittags kommt ganz leichter Wind, wir setzten die Segel und motorsegeln mit 1500 Touren weiter nach Osten. Um 16h können wir das Kap runden, der Wind dreht auf SW mit 6-7 Knoten. Wir segeln Schmetterling, Maschine aus. Mit 1,8 bis 2,8 Knoten geht es weiter. Gegen 19h erreichen wir ein kleines Kap, hinter dem ein weitläufiger Sandstrand beginnt. Wir werfen den Anker auf fünf Meter. Später schläft der Wind ganz ein, wir verbringen eine ruhige Nacht.

Reggio di Calabria

Juni 2, 2018 | Filed Under Segeln 2009 | No Comments

Am nächsten Morgen kommt der versprochene Mechaniker und fragt uns nach den Symptomen des Motorausfalls. Wie Gerhard tippt er auf kaputte Kolbenringe, der Motor muss zur Reparatur ausgebaut werden: Kosten 1000,- + Ersatzteile, es kann aber auch mehr kaputt sein, Dauer mindestens eine Woche. Ich verlange nach seiner Telefonnummer und erbitte mir Bedenkzeit bis zum Abend.
In der Zwischenzeit nehmen wir die Verhandlung mit der Marinaleitung bezüglich des Liegegeldes wieder auf, gestern wollten sie 100 € pro Tag, später 80, das Doppelte eines 9m Monohulls. Heute ist der Besitzer der Marina da, er ist für unsere Argumente offen, schließlich ist Squib ja nicht breiter als ein normales 11 oder 12 m Schiff. 50€ pro Tag, wir akzeptieren.
Später sprechen wir nochmals die Optionen durch, die wir haben, Gerhard meint auch, hier wäre ein schlechter Platz zum Reparieren. Zu viele Wenn und Abers, wenn ein Ersatzteil nicht rechtzeitig kommt, kostet die Woche 350€ und das in einem öden Industriehafen. Ich telefoniere mit Sabina, wir beschließen mit einer funktionierenden Maschine zurück nach Griechenland zu segeln, schließlich haben wir drei Wochen Zeit dafür und die vorherrschenden Wind sind nicht gegen uns.
Montag fahren wir zum Flughafen und organisieren uns ein Leihauto für Mittwoch Abend. Am Donnerstag führe ich Gerhard nach Lamezia Terme zu Flughafen, warte auf Sabina und fahre zurück nach Reggio, so der Plan.
Die folgenden Tage schlagen wir mehr oder minder tot, ein wenig Service fürs Boot, Einkaufen, Stadtbesichtigung.
Mittwoch Abend holen wir das Auto, wir waren schon ein wenig unentspannt, da der Bus ewig nicht daher kam. Donnerstag 5:20 fahren wir los und erreiche um 7h den Flughafen, Gerhard checkt ein, ich stehe allein vor dem Flughafen. Hier nochmals Danke an Gerhard, wir hatten eine schöne Zeit, leider nicht bis zum Ende, dafür gibt es viel zu erzählen. Sabina kommt erst in acht Stunden, ich suche mir ein stilles Plätzchen in einer Wohnsiedlung, versuche ein wenig zu schlafen, geht nur schwer auf der Rücksitzbank eines Kleinwagens. Doch jede Wartezeit geht einmal zu Ende, Sabina ist da. In Reggio nutzen wir das Auto für einen schnellen Einkauf, bevor wir es am Flughafen zurückgeben.

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