Bordalltag

29 Juni, 2010 | Kategorie: Segeln 2009 | 2 Kommentare

1:15 Ich mache noch einen Rundblick, dann steige ich in die Kajüte und zieh die Segeljacke aus. Warmer Pullover und lange Hose folgen. Nach dem Zähne putzen wecke ich Sabina, die durch mein Getue schon fast wach ist, ich lege mich in meine Koje und decke mich zu. Neben mir rauscht das Wasser an der Bordwand. Ab und zu klatscht eine Welle bis aufs Seitenschiff hinauf, müde fallen mir die Augen zu. Als ich aufwache, ist es bereits hell, noch immer zischt das Wasser an uns vorbei, die Geschwindigkeit liegt sicher über fünf Knoten. Ich rufe Sabina,dick eingemummt steigt sie den Niedergang hinab. Während sie sich aus den zahlreichen Gewandschichten schält, kuschle ich mich noch einmal unter der warmen Decke zusammen. Fünf Minuten später ist es soweit, raus aus der Wärme hinein in lange Hose und Pullover. Das Cockpit ist pitschnass, nur dort wo Sabina saß, ist ein trockener Fleck. Die Sonne steht niedrig über dem Horizont, keine Wärme kommt von ihr. Es ist unglaublich wie kalt 20° C auf einen wirken können, doch der stetige Wind kühlt alles aus. Um 8h trage ich unsere Position ins Logbuch ein, alle vier Stunden machen wir das, 20 Meilen haben wir seit dem letzten Eintrag zurückgelegt. Das Boot zieht unter gerefftem Groß und der Fock stetig dahin. Schön langsam wird es wärmer. Kurz nach 9h ist Sabina wieder wach, es gibt Tee und Butterbrot. Langsam schälen wir uns aus den warmen Sachen, um 10:30 sind wir beide in T-Shirt und kurzer Hose, verbringen die Zeit mit lesen oder dösen. Schon wieder vier Stunden um, das Logbuch wartet auf den Eintrag, genauso wie um 16 h. Die ganze Zeit haben zwei Kanister unter der Sprayhood Wärme getankt, Zeit zum „Duschen“, bevor es wieder kälter wird. Zuerst wird mit Seewasser und Shampoo geduscht, dann mit Süßwasser nachgespült, jeder hat etwa 2,5 Liter Seewasser und einen Liter Süßwasser zur Verfügung. Das muß reichen. Während Sabina draussen bleibt, setze ich mich an den Computer maile Sabinas’s Bruder Martin unsere Position und schaue mir den neuesten Wetterbericht an. Zum Abendessen gibt es heute frisches Brot mit Dauerwurst und Gurkerl. Sabina legt sich kurz hin, ich sinniere im Cockpit vor mich hin, klatsch, die Angelleine spannt sich. Vor drei Tagen hatten wir einen 80 cm Thunfisch an der Angel, der dann leider beim Hereinheben seine Freiheit wiedergewonnen hat. Diesmal möchte ich es besser machen, ziehe mir die Handschuhe an, damit ich das dünne Vorfach am Ende der Leine zügiger einholen kann. Endlich sehe ich den Fisch, unser erster Schwertfisch. Der letzte Meter ist entscheidend, wenn das ganze Gewicht des Fisches an der Leine hängt und er noch nicht über der Reling ist. Doch diesmal geht alles glatt, mit einem sanften Ruck heben ich den Fisch ins Cockpit und gehe auf Distanz zu dem ca 30 cm langen Schwert. Sabina staunt nicht shlecht als sie um 18 h wieder aufsteht. Mit unserem schärfsten Messer filetiert sie den Fisch, da gibt es jetzt sicher drei Tage lang Fisch zu essen. Um 19 h beginnt Sabinas Schlafperiode, ich bleibe im Cockpit, mit Sonnenuntergang um 20:30 h wird es wieder kalt, Pullover ,lange Hose und Segeljacke kommen wieder zum Einsatz. Kurz nach 1h mache ich einen Rundblick und steige in dei Kajüte.


Der erste Schwertfisch

Der erste Schwertfisch

2 Comments »

  1. Natürlich verfolge ich immer noch jeden Ihrer Schritte gespannt. Hier scheint sich allerdings schon das lustige Leben etwas zu reduzieren,sodaß alle Resourcen und Gefühle auf Systemerhaltung konzentriert scheinen.Kann auch sein,daß man nachdenklich wird,wenn der Zahnarztbesuch in berechenbare Nähe rückt….Viel Glück weiterhin wünsche ich von ganzem Herzen!!!

    Kommentar by Werner Deutschmann — Juni 29, 2010 #

  2. Segeln kann ja sooooo langweilig sein – herrlich !
    Alles gute weiterhin !
    ( Wir sind von Malle wieder gut heimgekehrt !)
    SC

    Kommentar by sc — Juli 4, 2010 #

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