Die Brotfrucht

8 Januar, 2010 | Kategorie: Segeln 2009 | 4 Kommentare

Wir schlendern gerade über die Promenade in Elisabeth Town, Bequia. Kleine Geschäfte in netten Holzhäusern, meist Boutiquen oder Souvenirläden, auf der Promenade Obststände und selbstgemachtes Kunsthandwerk. Um nicht in irgendeiner Fetznbude hängen zu bleiben, betrete ich den Bequia Book Shop. Drei Reihen Tische mit zum Teil geöffneten Büchern, ein paar Wandregale zwischen den Fenstern, zwei Verkäuferinnen hinter der Theke.

Eine alte Registrierkasse. Während ich mir die nachgemachten historischen Seekarten anschaue, bleibt Bina bei den Kochbüchern hängen. Gleich daneben das Regal mit den Pflanzen und Tierbüchern. Der Druck einer Landkarte der gesamten Karibik aus dem achtzehnten Jahrhundert hat es mir angetan.66 Ec, ca. 18 Euro, dazu kommt dann noch ein Reptilienbestimmungsbuch für die kleinen Antillen, nochmals 45 Ec. „Was schaust du dir gerade an Bina?“ „Ach, nur ein karibisches Kochbuch“. „Willst du es dir nicht kaufen, dann können wir auch nach der Rückkehr in Wien karibisches Flair genießen?“ Wer sagt, dass nur Frauen manipulativ sein können? Also ab zur Kasse. Die Verkäuferin mit den eng an den Kopf geflochtenen Zöpfen verpackt unseren Einkauf.

Auf dem Rückweg zum Beiboot kommen wir an einigen Brotfruchtbäumen vorbei. „In dem Buch sind auch Rezepte für Brotfrüchte, die will ich ausprobieren, schau da liegen ein paar herum.“ „Du kannst doch nicht einfach in einen fremden Garten gehen und Obst aufklauben, stell dir vor ein Farbiger würde das in Wien machen, der geht glatt in den Hefn!“ “Schau da liegen zwei im Straßengraben.“ „Die sind noch nicht reif, die müssen noch viel größer werden“. Der Schuss ins Blaue sitzt, ich muss nicht in aller Öffentlichkeit, Brotfrüchte aus dem Straßengraben aufklauben. Abends am Schiff schmöckern wir beide in unseren neuen Errungenschaften. „Die Brotfrüchte schmecken wie Erdäpfel, wenn man sie eine Stunde kocht, im Druckkochtopf nur zehn Minuten.“ „ Da können wir doch gleich Erdäpfel essen, die brauchen im Druckkochtopf nur sieben Minuten außerdem habe ich am Markt keine Brotfrüchte gesehen.“  Damit ist das Thema vorerst erledigt.

Eine Woche später sind wir in Vieux Fort, St. Lucia. Während Bina auf dem Boot bleibt, mache ich mich auf zum Einklarieren. Auf dem Weg zum Customs komme ich am lokalen Markt vorbei, eigentlich sitzen die Verkäufer auf der Hauptstraße neben ihrem Obst und Gemüse. Eine Frau hat auch Brotfrüchte im Angebot, beim Rückweg werde ich wieder vorbeischauen und eine für Sabina kaufen Vier Büros, zwei Busfahrten und eineinhalb Stunden später komme ich wieder am Markt vorbei. Für die Brotfrucht, ein paar Plantanas (Kochbananen, natürlich auch für ein Rezept im Kochbuch), Passionsfrüchten, sechs Früchte deren Namen wir jetzt noch nicht kennen und vier kleine Gurken zahle ich keine zwanzig Ec. „Schau in die Tasche ich habe dir was mitgebracht.“ „Na geh, jetzt hast das ganze Obst auf die Bootspapiere gehaut, wie schaut‘n des aus!“ „ Nein, das mein ich nicht, ganz unten“. „Jö, eine Brotfrucht.“ „Die hab ich nur für dich gekauft.“ Unentschieden, die Brotfrucht hat den Schlamassel mit den zerknitterten Bootspapieren wieder ausgeglichen. Jetzt baumelt die Brotfrucht in unserem Obst- und Gemüsenetz vor sich hin und wird immer reifer.

Drei Tage später ankern wir in der Trou Gascon, eine Meile südöstlich der Rodney Bay Marina. „Schaun wir mal was Küche und Keller zu bieten hat.“ Bina grinst und hat die Brotfrucht in der Hand. Aber die Kühlbox ist leer und wieder Spagetti mit Thunfisch darauf haben wir beide keine Lust. Bina schneidet die Brotfrucht in Würfel, der Druckkochtopf ist komplett voll. Nachdem sie endlich weichgekocht ist wird sie mit gehackten Zwiebeln, Knoblauch, einem Ei , Mehl und Gewürzen vermischt. Diese Mischung wird zu Kugeln geformt, paniert und in der Pfanne gebraten. Ich muss ja zugeben, es riecht köstlich. Mit Gurkensalat schmecken die Kügelchen wirklich gut. Nach sechs Stück bin ich satt, ich zähle die Übrigen, es sind noch fünfzehn Stück da.“Für wie viele Personen ist das Gericht gedacht.“ „Im Buch steht eine Brotfrucht reicht für sechs Personen.“ Ich weis schon jetzt was es morgen zu essen gibt!

4 Comments »

  1. Na da wirst Du aber nächstes Mal die kleinen aus dem Straßengraben aufklauben – oder???

    Kommentar by christine — Januar 8, 2010 #

  2. Die waren noch nicht reif, außerdem lagen sie im Unrat, nicht sehr apetitlich

    Kommentar by Bina — Januar 10, 2010 #

  3. Wie war das ? Da ist noch was zum Essen übrig ????
    Wie rasch funktioniert die Post von dort ? ;-)))
    Peter nicht vergessen: Buch schreiben ! : Die Psyche der Frau und wie Mann sie manipulieren kann (oder zumindest das glaubt…) ;-))
    SC

    Kommentar by S.C. — Januar 11, 2010 #

  4. bei euch alles ok? hoffe ihr habt vom erdbeben nichts mitbekommen!
    bussi
    patrizia z

    Kommentar by Patrizia — Januar 15, 2010 #

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