Ein langer Schlag

24 Mai, 2018 | Kategorie: Segeln 2009 | noch keine Kommentare

Den Dienstag verleben wir relaxt mit etwas Arbeit am Boot, die Marina erkunden und entspannen. Mittwoch morgen kurz nach sieben legen wir ab. Der Wetterbericht sagt schwache Winde bis zur Einfahrt in die Straße von Messina voraus. Umso überraschter sind wir, als keine halbe Stunde später kräftiger ablandiger Wind einsetzt. Nur mit der Genua macht Squib 5-7 Knoten. Unter Land sind die Wellen noch nicht so hoch, wir genießen das schnelle Segeln bis Mittag, etwa 10 Meilen vor Kap Palinuro legt sich der Wind, wir bergen das Segel und umrunden das Kap unter Motor, hier weht sogar leichter Südostwind, wir setzen wieder die Genua für die nächsten 10 Seemeilen. Etwa 5 Meilen vor der Einfahrt in die Straße von Messina setzt dann heftiger NW Wind ein. Wir bleiben dicht unter Land, schalten die Motoren aus, doch der Wind fällt immer vorlicher ein, wenn wir segeln wollen kommen wir von der Küste weg. Noch sind es 22 Meilen bis Taormina an der sizilianischen Küste. Schnell werden die Wellen immer höher. Gerhard und ich wechseln uns am Steuer ab, um möglichst wenig Höhe am Wind zu verlieren. Als die erste Welle übers Deckshaus schwappt schließen wir alle Fenster. Immer öfter spritzen jetzt Wellen bis ins Cockpit, der Wind legt auf 25 Knoten zu, gemeinsam reffen wir die Genua ein Drittel ein. Gerhard sitzt am Steuer ich im geschützten Salon, immer öfter kracht Squib mit den Bügen in die heraneilenden Wellen. Der Wind wird immer stärker, 30 Knoten, 32 Knoten, 34 Knoten, Squib braust mit 6-7 Knoten dahin. Wasser prasselt mehrmals in der Minute gegen die Scheiben. Nach zehn Meilen beginnt der Wind langsam auf Nord zu drehen, die Wellen kommen mehr seitlich, etwas Ruhe kommt ins Schiff. Vor uns Sizilien, der Ätna unter einer dichten Wolkenhaube, die ganze Küste nach Norden hinauf steht eine Wolkenwalze, wie man sie von der Bora an der Adria gut kennt. Nur noch 25 Knoten Wind, wir rollen die Genua etwas mehr aus, die Sonne senkt sich schon zu den Bergen Siziliens, wir wollen Taormina möglichst rasch erreichen. Fünf Meilen vor unserem Ziel können wir die Genua ganz ausrollen. Die Sonne versinkt hinter den Bergen. Bei letztem Büchsenlicht laufen wir in die ruhige Bucht zu Füßen Taorminas ein. Wir ankern in sicherem Abstand zu dem einzigen Boot das hier vor Anker liegt. Fast siebzig Meilen liegen hinter uns. Für ich ist diese Überfahrt ein Déjà vu, haben Sabina und ich doch vor ein paar Jahren sehr Ähnliches erlebt.In Taormina bleiben wir bis Samstag, da soll der Nordwind der jetzt weht wieder einschlafen.

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