Ruinen, Bakschisch, Ramadan

6 September, 2010 | Kategorie: Segeln 2009 | noch keine Kommentare

6:45, es ist schon hell, die Sonne ist aber noch nicht aufgegangen, ich hole den Anker aus dem Sandgrund der Cala Malfatano. Unter Motor fahren wir aus der Bucht, nehmen Kurs auf die afrikanische Küste. Leichter Wind kommt auf, wir rollen die Genua aus, lassen den Motor aber weiterlaufen. Blutrot hebt sich die Sonne im Osten aus dem Meer, noch 141 Meilen bis Sidi Bou Said in Tunesien. Nachmittag wird der Wind stärker, kommt jetzt aus westlichen Richtungen, wir setzen das Groß, schalten den Motor aus.

Nach Einbruch der Dunkelheit wir d der Wind langsam schwächer, gegen 23h arbeitet die Windsteueranlage nicht mehr richtig. Ich rolle die Genua ein, setzte das Groß dicht und starte wieder den Motor. Vor mir kann ich bereits den Lichtschein von Bizerte, mehr als 50 Meilen entfernt über den Horizont schimmern sehen, hinter mir den schwächeren Lichtschein von Cagliari auf Sardinien. Um halb Zwei wecke ich Sabina, die die nächste Wache übernimmt. Den Radarwarner schalten wir ab, denn rundherum sind bis zu 10 Schiffe gleichzeitig zu sehen, der Daueralarm würde nur nerven. Bei Sonnenaufgang sind wir nur mehr ein paar Meilen von der Küste entfernt, motoren  Richtung Südost, zum Golf von Tunis. Die Berge sind teilweise bewaldet, etliche Windkraftwerke stehen auf dem Kamm der Berge. Kurz vor Mittag runden wir Kap Farina, steuern nach Süden, Richtung Sidi Bou Said. Wir können wieder die Segel setzten und den Motor abstellen. Kurz nach fünfzehn Uhr passieren wir Kap Karthago, die Marina liegt jetzt dicht vor uns. Wir legen am Tankstellenpier an, ich gehe ins Marinabüro.

Hier wird mir erklärt es geben keinen Platz, als ich gehen will, sagt der Manager, vielleicht schon aber nur für einen Tag. Ein Marinero weist und dann eine Lücke, gerade breit genug für Madaris zu.  Wieder im Büro dürfen wir jetzt auf einmal zwei Tage bleiben, macht 86 Dirham. Wir haben keine, ob wir mit Karte?- Impossible, Euro?, Wieviel? Er tippt in sein Handy, 46!, Sabina legt ihm 46 Euro hin_ Nein , keine Münzen, bei mir fällt der Groschen,- Gib ihm Fünfzig, -Jetzt passt es, weiter zum Einklarieren. Der Beamte ist sehr freundlich, wir füllen vier Formulare aus, zum Schluss geht er mit uns, er muss noch das Boot kontrollieren. Als er im Cockpit sitzt, fragt er ob wir etwas für ihn haben.

Whiskey?- Nein jetzt ist Ramadan, Nun er kann ihm ja auch später trinken, – Nein, Wein? – Leider auch nicht, Zigaretten haben wir nicht, er reibt Daumen und Zeigefinger aneinander, Sabina sucht fünf Euro raus, ich gebe sie ihm. Beim Gehen meint er Fünf Euro für die Polizei, das ist nicht viel, ich denke mir: Zehn Euro für nichts ist mir zuviel. Was soll`s.

Abends legt eine Yacht unter deutscher Flagge an, wir unterhalten uns ein wenig, fragen ach den Landesgebräuchen. Jetzt wissen wir wenigstens was so üblich ist, was eine Taxifahrt kostet, wie viel man Bakschisch gibt.

Montag Vormittag, wir brechen auf, als wir ins Taxi steigen fragen wir Ancient Carthago? –Oui! Er fährt los, als er Richtung Norden abbiegt, spreche ich ihm an, liegen die Ausgrabungsstätten doch im Süden. Er fragt: Hotel Karthago? Wir : Nein Ancient, Ruins, Sabina zeichnet einen verfallenen Tempel auf ein Stück Papier. Er schaut verständnislos. Wir steigen aus, zahlen zwanzig Dirham, warten auf das nächste Taxi. Die erste Frage: Do you speak English? Yes, a little. Dann erklärt er uns in gut verständlichem Englisch das es mehrere Ausgrabungsstätten gibt, er fährt uns zu einer der Größeren Nach  fünf Minuten sind wir dort, Nein wir brauchen nichts zu zahlen, es war ja nur ein kleines Stück, Wir überreden ihm, Er nennt drei  Dirham , Sabina gibt ihm Fünf.  Wir sind die Ersten am Gelände, das wundert uns, ist es doch schon nach Elf. Doch anscheinend sind wir wieder in einer anderen Zeitzone gelandet, die Uhr an der Kassa zeigt kurz nach Zehn. Trotzdem ist es schon richtig heiß, gut das ein Großteil der Ausgrabungen unter schattigen Palmen liegt. Nach zweieinhalb Stunden verlassen wir die Ausgrabung, besuchen den obligatorischen Souvenirstand erwerben aber nur einen Stadtplan. Nicht weit den Berg hinauf die nächste historische Stätte, wir besuchen eine römische Villengegend. Wunderschöne Mosaike auf den Böden, doch nach einer halben Stunde suchen wir nur noch nach Schatten, doch der ist ausnahmslos von Mitarbeitern der Ausgrabungen besetzt. Einer schläft sogar in seiner Scheibtruhe, wir trauen uns aber kein Foto zu machen.

Jetzt geht es weiter, wieder mit dem Taxi zum Carrefour Einkaufszentrum. Wir wollen zu Mittag essen und dann Einkaufen. Fehlanzeige! Alle Lokale haben den Rollbalken unten – Ramadan. Also nur Vorräte kaufen. Als der Einkaufswagen voll ist, man soll halt nicht hungrig Einkaufen gehen, geht es zur Kasse, die natürlich prompt meine Bankomatkarte  nicht akzeptiert. Also wo ist der nächste Geldautomat, – gleich um die Ecke. Dort will ich die Karte hineinstecken, Geht nicht, Out of Order, ich werde panisch, vielleicht gibt es nur die zwei Automaten hier? Zwischen Modegeschäften und geschlossenen Rollbalken laufe ich durch den Konsumtempel, endlich ganz am Ende steht noch ein Geldautomat, endlich bekomme ich mein Geld,-  zurück zur Kassa. Fast hundert Euro für den vollen Wagen, das war aber auch schon notwendig, haben wir die letzten Tage doch nur mehr von dem gelebt, was wir noch in den Tiefen der fast leeren Staufächer gefunden haben. Noch eine Satz zum Einkaufen, die meisten der tunesischen Damen sind hier westlich gekleidet, verschleierte Frauen sieht man hier seltener als in der Lugner City.

Zurück am Boot reißen wir die Sackerl von der heißen Theke auf, essen alles auf, danach noch ein paar Köstlichkeiten, tunesisches Konfekt aus Marzipan, Nüssen und Pistazien. Im Schatten des Sonnensegels lassen wir den Tag ausklingen.

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