Von Madeira nach Graciosa

13 Oktober, 2009 | Kategorie: Segeln 2009 | noch keine Kommentare

Mittwoch in der Früh waren wir im Marinabüro, um unsere Liegegebühren für die letzte Woche zu bezahlen. Wir wollten einfach nicht mehr bis Freitag warten, da uns sonst der Lagerkoller packen würde. So sind wir, trotz nicht optimalem Wetterberichts, endlich aufgebrochen.

Gleich vor der Marina empfängt uns Südwest, hart am Wind geht es zur Inselgruppe der Desertas 10 Seemeilen südlich von Madeira. Hier wollten wir eigentlich bis Freitag bleiben, ein wenig schnorcheln, doch der einzige Ankerplatz ist bei auflandigem Wind nicht zu gebrauchen, so beschließen wir gleich weiter zu segeln. Bis zwei Uhr in der Nacht bleibt uns der schwächer werdende Westwind erhalten, dann bergen wir die Segel und werfen den Motor an, wir müssen die Flautenzone zwischen dem Südwest und dem normalerweise hier wehenden Nordostwind durchqueren. Die Wellen werden immer kleiner am nächsten Tag herrscht sommerliches Wetter, wir öffnen alle Luken, der Motor schiebt uns nach Süden. Leider beisst kein Fisch, das Wasser dürfte unserer Meinung nach zu ruhig sein. Erst am Abend kommt leichter Nordost auf, kurz vor Sonnenuntergang stellen wir den Motor ab, nur unter Genua segeln wir mit 2,5 bis 3,5 Knoten weiter Richtung Süden. Das ist uns ganz recht wollen wir doch die Ilhas Selvagens, Portugals südlichsten Zipfel nicht vor Tagesanbruch erreichen. Bald nach dem Wachwechsel um 2h kann Bina das Leuchtfeuer von Selvagem Grande vor uns erkennen. Kurz nach fünf stehe ich wieder auf und schicke Sabina wieder in die Koje. Deutlich sind sowohl das Feuer auf Selvagen Grande, als auch jenes auf Selvagem Pequena zu erkennen. Ein Frachtschiff kommt von hinten auf, ich sehe die Lichter schon lange bevor der Radarwarner zu piepsen beginnt, er gibt uns aber doch ein sicheres Gefühl, sollte man doch einmal auf Wache einschlafen, ist er sozusagen der Wächter der nie schläft. Bis jetzt hat er auch alle Schiffe zuverlässig angekündigt. Es ist immer wieder erstaunlich wie nahe man sich doch auf dieser unendlichen Wasserfläche kommt.

Gerade zu Sonnenaufgang haben wir Selvagem Grande westlich umrundet und werfen unseren Anker ins zehn Meter tiefe Wasser. Es herrscht etwas Schwell, da die Wellen des vorgestrigen Westwindes noch immer nicht ganz abgeklungen sind und um den Südwestzipfel Grandes herumlaufen und sich auf den Felsen brechen. Wir hauen uns nocheinmal in die Kojen, bevor wir kurz nach Mittag das Schlauchboot aufblasen und an Land rudern. Im Wasser schwimmt uns Allesandro, der verantwortliche Ranger der Insel entgegen, wir sollen um 16:30 wieder kommen, er macht jetzt Lunchtime.  Warum erzählt einem eigentlich keiner bei der Berufsberatung das es auch solche Jobs gibt! Wir nutzen die Zwischenzeit um seit langem wieder einmal schwimmen und schnorcheln zu gehen, unser Thermometer zeigt seit dem Mittelmeer erstmals wieder 25° Wassertemperatur an.  Die Selvaghens am 30° Breitengrad gelegen weisen bereits einen tropischen Touch unter Wasser auf. Es gibt zwar keine Korallen, aber einige wenige tropische Fischarten haben es doch hierher geschafft. Zwischen den aus dem Mittelmeer bekannten Arten sind auch einige Papageienfische und Riffbarsche zu sehen. Barracudas ziehen in ganzen Schulen vorbei. 16:30 sind wir wieder an Land, Allessandro möchte nur unsere Permitnummer, die Schiffspapiere möchte er gar nicht sehen. Auch eine französische Familie mit ihren drei Kindern ist an Land und zu acht geht es bald den steilen Pfad hinauf auf die Hochfläche. Überall sitzen Möwenjunge in den Felshöhlen, Pflanzen gibt es nur wenige. Nach einer Stunde sind wir wieder zurück. Wir vereinbaren eine weitere Führung am nächsten Morgen, da wir heute eigentlich nur unsere Einklarierung erledigen wollten, so wird für morgen vormittag noch ein Termin ausgemacht, damit wir auch die Kamera dabei haben wollen.

Pünktlich um halb Elf sind wir mit unserer Kameraausrüstung wieder an Land. Diesmal sind Martin und Mirijam vom der Schweizer Yacht Ranja bei der Führung mit dabei, ohne Kinder geht es diesmal bis zum Leuchtturm auf der höchsten Erhebung der Insel. Unser Ranger zeigt uns auch den hier endemischen (nur hier vorkommend) Gecko, der unter vielen der herumliegenden Steine zu finden ist. Er erzählt, dass die Selvagens in den Siebzigern vom portugiesischem Staat aufgekauft wurden und sofort in ein Naturschutzgebiet umgewandelt worden sind. Die eingeschleppten Mäuse und Kaninchen wurden ebenso wie einige Pflanzen wieder ausgerottet, um den ursprünglichen Zustand wieder her zu stellen. Danach hat der Bestand der heimischen Reptilien wieder stark zugenommen.  Über die Hochfläche geht es wieder zurück zur Steilküste, nach zwei Stunden haben wir die ganze Insel gesehen.

Uns bleibt nur noch das Schlauchboot wieder zu verstauen, nochmals schwimmen zu gehen, bevor die Nacht hereinbricht. Um acht Uhr in der Früh setzen wir die Segel und der Nordostpassat bläst uns immer stärker werdend Richtung kanarische Inseln. Wir reffen dann die Genua zu zwei Drittel ein, trotzdem jagt uns der Wind mit bis zu sieben Knoten Geschwindigkeit durch die Nacht. Warum müssen ausgerechnet wir immer so starken Wind haben! So sind wir bereits im Morgengrauen kurz vor Graciosa, um halb Zwölf machen wir im Hafen von La Soziedad fest. Bei einem kurzen Rundgang treffen wir Marlies und Manfred aus Graz wieder, neben ihnen ist noch ein Liegeplatz frei, wir verholen das Schiff noch einmal, bevor wir zum ersten Tratsch auf der Pangea Platz nehmen.

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