Mallorca

24 August, 2010 | Kategorie: Segeln 2009 | noch keine Kommentare

Es ist fünf Uhr morgens, das Schiff schaukelt stark hin und her, draussen dröhnen Dieselmotoren in unmittelbarer Nähe. Die Fischereiflotte von Puerto de Andratx läuft vollständig aus, mit Vollgas neben dem Ankerfeld. Ein halbe Stunde schaukeln wir heftig hin und her, nachher ist an Schlaf nicht mehr zu denken. Als sich das ganze am nächsten Morgen wiederholt, hält uns hier nichts mehr, wir motoren die zwei Meilen bis San Telmo, einem Ankerplatz zwischen dem westlichen Zipfel von Mallorca und der Insel Dragonera.

Da wir zeitig dran sind, bekommen wir noch ein schönes Plätzchen vor dem abgegrenzen Schwimmbereich. Bald darauf versucht dann der Freizeitkapitän einer fetten Motoryacht quer über unsere Ankerkette seinen Anker auszubringen. Nach dem dritten Versuch rufe ich ihm zu: “ If you pull my anchor out of the ground I will kill you.“ Er versucht es dann noch eine dreiviertel Stunde lang etwas weiter weg unter den Blicken aller bereits Ankernden und verzieht sich dann in einen anderen Teil der Bucht, um dort seine vergeblichen Versuche fortzusetzen. Mit schätzungsweise acht Meter Kette bei fünf Meter Tiefe ist das halt ein bisschen schwierig.

Gleich neben uns ankert die Osprey, die kennen wir doch, richtig, das letzte Mal haben wir das Schiff in Petit Terre vor einem halben Jahr gesehen. Eine Yacht unter polnischer Flagge mit Jazek an Bord. Die nächsten beiden Abende werden gesellig, wir treffen uns einmal bei uns, einmal bei Jazek, es gibt viel zu erzählen, Jazek zeigt uns Fotos seiner beiden Weltumsegelungen, wir weihen ihm in die neusten Geheimnisse des kostenlosen Internetempfangs( Alfa Network Adapter) an Bord ein. Wir borgen ihm einen Tag den Adapter und er war die ganze Zeit unter Deck, um seine ganzen Skypeanrufe zu tätigen und sich ebenfalls so ein Teil zu bestellen. Sonntag in der Früh fahren wir weiter an der Küste entlang nach Port de Soller, wo wir nach einem Badestopp kurz nach 15h eintreffen. Wir bekommen noch den letzten geschützen Ankerplatz, alle später kommenden ankern dann unmittelbar in der Hafeneinfahrt.

Wieder sehr zeitig geht es weiter, wir besuchen kurz die Bucht Sa Calobra und motoren weiter durch die Flaute die Küste entlang. Am frühen Nachmittag passieren wir Kap Formentor noch immer unter Motor. Erst als wir acht Meilen weiter sind setzt plötzlich starker Südostwind ein. Wieder einmal geht es hart am Wind mit gerefften Segeln gegenan. Die Wellen werden immer höher, es erinnert uns sehr an die Azoren – Lissabonstrecke, nur diesmal auf Backbordbug. Gischt spritzt über das ganze Schiff, alle wird naß. Viereinhalb Stunden später kommen wir endlich in die Wellenabdeckung von Menorca, hier hören zumindest die Salzwasserduschen auf. Kurz vor Sonnenuntergang werfen wir unseren Anker in der Cala Morell.

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